Wie lernen wir – und welche Weiterbildung passt wirklich zu mir?

Trainerin erklärt Lernmuster an einem Flipchart und verdeutlicht, warum Lernen individuell gestaltet werden sollte
Autor: Cordula StübingArtikel veröffentlicht am: 12.02.2026

Kurz erklärt:

 
  • Lebenslanges Lernen ist unverzichtbar: Durch schnellen Wandel, neue Technologien und KI reichen einmalige Abschlüsse nicht mehr aus. Weiterbildungen und Future Skills (z. B. digitale Kompetenzen, kritisches Denken, Anpassungsfähigkeit) sind entscheidend, um beruflich handlungsfähig zu bleiben.
  • Lernen ist individuell – kein „One size fits all“: Menschen lernen unterschiedlich, abhängig von Motivation, Lernumfeld, Lebenssituation und bevorzugten Lernmethoden. Standardisierte Weiterbildungen greifen zu kurz; wirksames Lernen entsteht dort, wo Formate zu den Bedürfnissen der Lernenden passen.
  • Wahlfreiheit und didaktische Vielfalt machen Weiterbildung wirksam: Synchrone, asynchrone und hybride Lernformate haben jeweils ihre Berechtigung. Entscheidend ist nicht das Format selbst, sondern die bewusste Wahl durch erwachsene Lernende, die als selbstverantwortliche GestalterInnen ihres Lernprozesses ernst genommen werden.
 
Die Arbeitswelt verändert sich rasant: neue Technologien, neue Berufsbilder, neue Anforderungen. Was gestern noch als sicher galt, ist heute oft schon überholt. Viele Menschen spüren deshalb sehr deutlich: Eine einmal absolvierte Ausbildung oder ein Studium reichen längst nicht mehr aus, um dauerhaft beruflich handlungsfähig zu bleiben.  Weiterbildungen und sogenannte Future Skills sind heute mindestens genauso wertvoll wie klassische Bildungs- und Hochschulabschlüsse und manchmal sogar wertvoller. Sie entscheiden darüber, ob wir Veränderungen aktiv gestalten oder von ihnen überrollt werden.  Doch mit der wachsenden Bedeutung von Weiterbildung wächst auch eine zentrale Frage:   

Welche Weiterbildung passt eigentlich zu mir – und wie lerne ich so, dass es mich wirklich weiterbringt?

 Denn Lernen ist kein standardisierter Prozess. Menschen lernen unterschiedlich, haben unterschiedliche Motive, Bedürfnisse und Rahmenbedingungen. Genau hier liegt der Schlüssel für wirksame Weiterbildung.Dieser Beitrag beleuchtet, warum lebenslanges Lernen unverzichtbar ist, welche Weiterbildungsformen es gibt, was unter Future Skills zu verstehen ist und warum ein „One size fits all“-Ansatz beim Lernen zum Scheitern verurteilt ist.   

Welche unterschiedlichen Arten von Weiterbildungen gibt es?

 Bei Weiterbildungen gibt es eine nahezu unüberschaubare Vielfalt an Möglichkeiten. Für viele Berufstätige eignen sich betriebliche Weiterbildungen, die häufig Inhouse durchgeführt werden, oder berufsbegleitende Weiterbildungen, die überwiegend abends oder am Wochenende stattfinden. In einigen Bundesländern besteht zudem die Möglichkeit, Bildungsurlaub zu beantragen und diese Zeit gezielt für Weiterbildung zu nutzen.  Für arbeitssuchende Menschen gibt es zahlreiche Weiterbildungsangebote in Voll- oder Teilzeit. Ebenso kann eine Umschulung sinnvoll sein, wenn eine vollständige berufliche Neuorientierung angestrebt wird. Typische Lernformate und Methoden sind Seminare, Lehrgänge, E-Learning, Coaching sowie berufsbegleitende Programme in unterschiedlichsten didaktischen Ausprägungen.   

Warum reden wir heute eigentlich über Future Skills?

 Future Skills sind entscheidende, branchenübergreifende Kompetenzen – technologischer, sozialer, kognitiver und transformativer Art –, die in den kommenden fünf Jahren für Berufsleben und Gesellschaft essenziell werden. Dazu zählen unter anderem digitale Fähigkeiten, kritisches Denken, Kreativität, Resilienz und Anpassungsfähigkeit. Sie befähigen Menschen dazu, komplexe Probleme eigenständig zu lösen und handlungsfähig in einer von permanentem Wandel geprägten Arbeitswelt zu bleiben.  Damit wird deutlich: Lebenslanges Lernen begleitet heute viele Menschen über ihre gesamte Erwerbsbiografie hinweg. In den meisten Berufen reicht es längst nicht mehr aus, einmal eine Ausbildung oder ein Studium zu absolvieren und anschließend bis zur Rente ausschließlich mit diesen erworbenen Kompetenzen zu arbeiten.  Berufsbilder verändern sich, neue entstehen und der Megatrend Künstliche Intelligenz zieht sich durch nahezu alle Branchen. Die zentrale Frage lautet daher: Wie werden wir künftig arbeiten, und welche Kompetenzen brauchen wir dafür? Lebenslanges Lernen und die Bereitschaft zur Veränderung sind dafür unverzichtbar.  Gleichzeitig stellt sich die Frage, was uns zum Lernen motiviert und unter welchen Bedingungen wir besonders gut lernen können. Lernen funktioniert nicht für alle Menschen gleich, denn wir haben unterschiedliche Vorlieben, Bedürfnisse und Herangehensweisen.   

Lernen ist individuell: nicht jede Methode passt zu jedem Menschen

 Dass wir heute deutlich mehr darüber wissen, wie Lernen funktioniert, ist unumstritten. Dennoch lernt nicht jeder Mensch auf die gleiche Art und Weise, und nicht jede Methode motiviert oder stimuliert alle gleichermaßen. Warum lernen manche Menschen bei einer bestimmten Lehrperson besonders gut, während andere dort kaum Zugang finden?  Das hat in der Regel weniger mit unterschiedlicher Intelligenz zu tun, sondern vielmehr mit der Art und Weise, wie wir Wissen aufnehmen, verarbeiten und in bestehende Erfahrungen integrieren.  Natürlich spielen Faktoren wie Vorwissen, Motivation und persönliches Interesse eine wichtige Rolle. Ebenso relevant ist das Lernumfeld: Während manche einen Collaboration Space bevorzugen, um sich schnell mit KollegInnen auszutauschen, sich gegenseitig zu unterstützen und zu inspirieren, benötigen andere das stille Homeoffice, um sich konzentrieren zu können. Einige arbeiten am liebsten unterwegs, andere brauchen Menschen um sich herum und wieder andere fühlen sich selbst in Umgebungen mit „Viren und Bakterien“ wohl.  So vielfältig die Anforderungen der Arbeitswelt sind, so vielfältig sind zum Glück auch unsere Lernvorlieben, Motivationen und Herangehensweisen. Genau aus dieser Vielfalt entstehen Diversität, Innovation und neue Ideen. Umso klarer wird jedoch: Ein „One size fits all“-Ansatz funktioniert weder in der Arbeitswelt noch in der Führung – und erst recht nicht beim Lernen.   

Gibt es unterschiedliche Lerntypen? – Die Lerntypen nach Vester

 Beim Thema Lernen existieren verschiedene Modelle und Herangehensweisen. Eines der bekanntesten ist das Modell der vier Lerntypen nach Vester. Es orientiert sich an unseren Wahrnehmungskanälen (visuell, auditiv, kinästhetisch, olfaktorisch, gustatorisch) und daran, wie wir Informationen bevorzugt aufnehmen und verarbeiten (vgl. u.a. auch Entscheidungsfindung im NLP).  1. Visueller Lerntyp Der visuelle Lerntyp lernt besonders gut über das Sehen. Der wichtigste Wahrnehmungssinn ist das Auge.Bevorzugt werden visuelle Materialien wie Abbildungen, Notizen, Diagramme, Grafiken, Mindmaps oder Skizzen. Häufig kommen Textmarker zum Einsatz, um Inhalte hervorzuheben, zu strukturieren und Zusammenhänge sichtbar zu machen.  2. Auditiver Lerntyp Der auditive Lerntyp lernt vor allem über den Hörsinn.Für ihn sind Diskussionen, Vorträge, Podcasts und Vorlesungen besonders hilfreich. Lerninhalte werden gerne laut wiederholt, und das Erklären des Gelernten gegenüber anderen unterstützt den Lernprozess erheblich.  3. Haptischer oder motorischer Lerntyp Beim haptischen Lerntyp steht der Tastsinn im Vordergrund. Alles, was selbst gestaltet, ausprobiert oder angefasst werden kann, unterstützt das Lernen.Geeignete Methoden sind Experimente, Modelle zum Nachbauen, praktische Übungen oder Rollenspiele. Diese Lerntypen lernen vor allem durch Tun, Ausprobieren und Gestalten.  4. Kommunikativer oder intellektueller Lerntyp Der kommunikative oder intellektuelle Lerntyp zeichnet sich durch eine intensive, kritische Auseinandersetzung mit Lerninhalten aus.  Er lernt am besten im Austausch mit anderen, durch Hinterfragen, Diskutieren und Reflektieren. Geeignete Formate sind Gruppendiskussionen, Gesprächsrunden, Dialoge oder Quizformate.  Wichtig ist: Die meisten Menschen sind Mischtypen. Wir nehmen Informationen grundsätzlich über alle Wahrnehmungskanäle auf und sind nicht auf eine einzige Lernform beschränkt. Entscheidend ist vielmehr, welche Lernform wir bevorzugen – also dort, wo wir uns wohlfühlen, motiviert sind und Lernen als besonders leicht empfinden.  Abschließend sei erwähnt, dass das Lerntypenmodell nach Vester wissenschaftlich nicht haltbar ist, da es davon ausgeht, dass Menschen ausschließlich über einen bevorzugten Kanal lernen. Dennoch deckt es sich in vielen Punkten mit praktischen Erfahrungen aus der Weiterbildungsarbeit. Als Reflexionshilfe kann es dazu beitragen, Lernmethoden bewusster und abwechslungsreicher zu gestalten.  

Wahlfreiheit statt Standardisierung in der Weiterbildung

 Umso wichtiger ist es, dass Menschen bei ihrer Weiterentwicklung die Möglichkeit haben, das für sie passende Lernformat zu wählen. Nicht jede Unterrichts- oder Lehrform passt zu jeder lernenden Person, und nicht jedes Format spricht alle gleichermaßen an. Zum Glück gibt es heute eine Vielzahl unterschiedlicher didaktischer Ansätze.  Der LinkedIn-Beitrag von Manuel Hinz (https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7420038961613443074/) bringt sehr treffend auf den Punkt, woran die aktuellen AZAV-Empfehlungen für durch die Agentur für Arbeit geförderte Weiterbildungen kranken: am impliziten Glauben an ein „One size fits all“-Lernen. Manuel ist Geschäftsführer bei Education Partners und erfahren in der Weiterbildungs- sowie Startup-Szene. Gerade aus der Lernforschung und aus der Weiterbildungspraxis wissen wir seit Jahren, dass Menschen unterschiedlich lernen, nicht besser oder schlechter, sondern anders. Modelle wie die Lerntypen nach Vester verdeutlichen, dass Lernwirksamkeit dort entsteht, wo Lernende ihre eigenen Bedürfnisse kennen und passende Angebote auswählen können.  

Synchrone, asynchrone und hybride Lernformen

 Am Markt werden heute synchrone, asynchrone und hybride Lernformate angeboten. Keine dieser Lernformen ist per se besser oder schlechter – entscheidend ist immer die Frage: Welche Lernform passt zu den jeweiligen Lernenden? 

Synchrone Lernformate

 Synchrone Lernformate zeichnen sich durch begleiteten Unterricht mit erfahrenen Fach- und Lehrkräften aus. Sie umfassen unter anderem Vorträge, Gruppendiskussionen sowie Einzel- und Kleingruppenarbeiten. Sie finde in live oder in digitaler Präsenz statt. Sie:
  • ermöglichen Lernen und Austausch in der Gruppe,
  • eröffnen unterschiedliche Perspektiven,
  • bieten Feedback und fachliche Auseinandersetzung.
   

Asynchrone Lernformate

 Asynchrone Lernformate stellen kein Qualitätsrisiko dar, sondern sind für viele Lernende – insbesondere für erfahrene Fach- und Führungskräfte – eine didaktisch sinnvolle Antwort auf unterschiedliche Lernbedürfnisse. Sie:
  • ermöglichen ein individuelles Lerntempo,
  • fördern Selbstverantwortung statt Abhängigkeit,
  • lassen sich professionell begleiten und datenbasiert steuern.
 Der von Manuel Hinz beschriebene Zwang zur Synchronität im Bereich der geförderten Weiterbildung wirkt daher weniger wie Qualitätssicherung, sondern vielmehr wie Misstrauen gegenüber erwachsenen Lernenden. Damit wird genau jene Selbstorganisationskompetenz geschwächt, die Weiterbildung eigentlich stärken sollte.  Wenn wir Weiterbildung ernst nehmen, brauchen wir Wahlfreiheit statt Standardisierung, didaktische Vielfalt statt Pauschalannahmen – und den Mut, erwachsene Lernende auch als solche zu behandeln.   

Was sind Wahrnehmungskanäle? VAKOG?

 VAKOG ist ein zentrales Modell im NLP und beschreibt die fünf Sinneskanäle:
  • Visuell (Sehen),
  • Auditiv (Hören),
  • Kinästhetisch (Fühlen/Spüren),
  • Olfaktorisch (Riechen),
  • Gustatorisch (Schmecken).
 Diese Repräsentationssysteme bestimmen, wie Menschen Informationen aufnehmen, verarbeiten, speichern, kommunizieren und Entscheidungen treffen. Häufig besteht eine Präferenz für einen oder mehrere Sinneskanäle.  

Die VAKOG-Wahrnehmungskanäle im Detail

 
  • Visuell: Fokus auf Bilder, Farben, Formen und innere Filme. Typische Aussagen: „Ich sehe das klar“, „Lass uns einen Blick darauf werfen“.
  • Auditiv: Fokus auf Töne, Klänge, Rhythmen und Sprache. Typische Aussagen: „Das klingt gut“, „Ich höre, was du sagst“.
  • Kinästhetisch: Fokus auf Körperempfindungen, Gefühle und Berührung. Typische Aussagen: „Das fühlt sich richtig an“, „Ich habe ein gutes Gefühl dabei“.
  • Olfaktorisch: Fokus auf Düfte und Gerüche, oft stark mit Erinnerungen verknüpft.
  • Gustatorisch: Fokus auf Geschmacksrichtungen.
  

Anwendung und Bedeutung im NLP

 
  • Wahrnehmung: Menschen nutzen VAKOG, um ihre Welt zu kodieren.
  • Kommunikation & Rapport: Die bewusste Nutzung der bevorzugten Sinneskanäle des Gegenübers kann Verständigung und Beziehung verbessern.
  • Lernstrategien: Das Wissen um bevorzugte Kanäle kann Lernprozesse optimieren.
  • Veränderungsarbeit: Innere Bilder, Gefühle oder Bewertungen können gezielt verändert werden.
   

Was ist Rapport im NLP und in der Begegnung zwischen Menschen?

 Im NLP bezeichnet Rapport eine vertrauensvolle, harmonische Beziehung zwischen Gesprächspartner*innen. Sie entsteht durch gegenseitiges Verstehen, Wertschätzung und Verbundenheit und bildet die Grundlage für gelingende Kommunikation.  Rapport wird unter anderem durch Pacing (Anpassen an Mimik, Gestik, Körpersprache und Sprachstil) und anschließendes Leading (sanftes Führen in eine neue Richtung) aufgebaut. Er ist die Basis für erfolgreiche Kommunikation im Coaching, in der Beratung, in der Führung – und im Alltag.  
 

Dein nächster Schritt: Die passende Weiterbildung finden

 Wenn Weiterbildung wirksam sein soll, braucht sie Passung: zu deinen Zielen, zu deiner aktuellen Lebenssituation und zu deiner Art zu lernen. Es gibt nicht das eine richtige Format – aber es gibt das richtige Format für dich.  Nimm dir einen Moment Zeit und frage dich:
  • Was möchte ich beruflich wirklich erreichen?
  • Welche Kompetenzen brauche ich dafür in den nächsten Jahren?
  • In welchem Lernsetting fühle ich mich motiviert, wirksam und ernst genommen?
 Ob synchron oder asynchron, berufsbegleitend oder in Vollzeit, praxisnah oder reflektierend – entscheidend ist, dass du bewusst wählst.  👉 Wenn du Unterstützung bei der Auswahl einer passenden Weiterbildung suchst oder herausfinden möchtest, welches Lernformat wirklich zu dir passt, lass uns ins Gespräch kommen.  Gemeinsam finden wir heraus, wie Lernen für dich nicht nur möglich, sondern wirksam wird.