Bildungsgutschein 2026: Weiterbildung beantragen – Der komplette Ratgeber

Bildungsgutschein beantragen
✅ Vollständige Kostenübernahme für Weiterbildung und Umschulung✅ Keine Rückzahlung erforderlich – 100% staatliche Förderung✅ Breite Zielgruppe: Arbeitslose, Kurzarbeiter, Beschäftigte und von Kündigung Bedrohte✅ Gültigkeit: 3 Monate zum Einlösen des Gutscheins✅ Förderumfang: Kursgebühren, Fahrtkosten, Kinderbetreuung, Lernmaterialien, Prüfungsgebühren✅ Während der Weiterbildung: Weiterzahlung von Arbeitslosengeld oder Bürgergeld

Was ist ein Bildungsgutschein? – Definition und Bedeutung 2026

 Ein Bildungsgutschein ist eine schriftliche Förderzusage der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters, mit der die kompletten Kosten für eine berufliche Weiterbildung oder Umschulung vom Staat übernommen werden. Mit diesem Förderinstrument können Arbeitslose, von Arbeitslosigkeit Bedrohte und unter bestimmten Voraussetzungen auch Beschäftigte ihre beruflichen Qualifikationen erweitern oder sich komplett neu orientieren – ohne eigene finanzielle Belastung. Der Bildungsgutschein ist Teil der aktiven Arbeitsmarktpolitik und soll Menschen dabei helfen, ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder nach einer beruflichen Auszeit wieder ins Berufsleben einzusteigen.   

Rechtliche Grundlage: § 81 SGB III

 Der Bildungsgutschein basiert auf § 81 des Dritten Sozialgesetzbuches (SGB III). Dieser Paragraf regelt die Förderung beruflicher Weiterbildung und definiert, wer unter welchen Voraussetzungen einen Anspruch auf Förderung hat.   

AZAV-Zertifizierung: Das Qualitätssiegel für geförderte Weiterbildungen

 Der Bildungsgutschein kann ausschließlich bei AZAV-zertifizierten Bildungsträgern eingelöst werden. AZAV steht für „Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung" und ist die gesetzliche Grundlage für die Qualitätssicherung in der geförderten Weiterbildung.   

Was bedeutet AZAV-Zertifizierung konkret?

 Eine AZAV-Zertifizierung garantiert dir: 
  • Geprüfte Qualität: Unabhängige Prüfstellen (fachkundige Stellen) kontrollieren die Bildungsträger regelmäßig
  • Aktuelle Inhalte: Die Lehrinhalte entsprechen den aktuellen Anforderungen des Arbeitsmarktes
  • Qualifizierte Dozenten: Alle Lehrenden verfügen über nachgewiesene fachliche und pädagogische Qualifikationen
  • Transparente Abläufe: Klare Regelungen zu Unterrichtszeiten, Prüfungen und Zertifikaten
  • Erfolgsquoten: Die Bildungsträger müssen nachweisen, dass ihre Teilnehmer erfolgreich abschließen
  

Bildungsgutschein Voraussetzungen: Wer hat Anspruch auf Förderung?

 Die Vergabe eines Bildungsgutscheins ist eine Ermessensleistung – das bedeutet, es gibt keinen Rechtsanspruch. Die Bewilligung erfolgt nach individueller Prüfung deiner beruflichen Situation durch die Agentur für Arbeit.  

Förderberechtigte Zielgruppen im Detail

 1. Arbeitslose und Arbeitssuchende Du kannst einen Bildungsgutschein erhalten, wenn du: 
  • Bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter arbeitslos gemeldet bist
  • arbeitssuchend bist und deine beruflichen Chancen durch eine Weiterbildung verbessern möchtest
  • mindestens drei Jahre Berufserfahrung oder eine abgeschlossene Berufsausbildung mitbringst
 Förderziel: Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt, Qualifikationserweiterung, berufliche Neuorientierung   2. Von Arbeitslosigkeit bedrohte Personen Du giltst als von Arbeitslosigkeit bedroht, wenn: 
  • dir eine konkrete Kündigung droht oder bereits ausgesprochen wurde
  • dein Arbeitsvertrag befristet ist und nicht verlängert wird
  • du dich in Kurzarbeit befindest und die Gefahr besteht, dass dein Arbeitsplatz wegfällt
  • dein Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt (z. B. Insolvenzverfahren)
 Förderziel: Vermeidung von Arbeitslosigkeit durch Höherqualifizierung, Neuorientierung in einen zukunftssicheren Beruf   3. Berufsrückkehrer nach längerer Pause Besonders nach längeren Berufspausen (z.B. durch Elternzeit, Pflege von Angehörigen) kannst du gefördert werden: 
  • Du warst längere Zeit (meist mehr als 3 Jahre) nicht berufstätig
  • Du möchtest wieder in den Beruf einsteigen
  • Eine Weiterbildung ist notwendig, um wieder am aktuellen Stand der Technik/Anforderungen zu sein
 Förderziel: Aktualisierung von Kenntnissen, neue Qualifikationen für den Wiedereinstieg   4. Beschäftigte im Rahmen des Qualifizierungschancengesetzes (QCG) Auch wenn du fest angestellt bist, kannst du unter bestimmten Voraussetzungen gefördert werden: 
  1. Du bist mindestens 4 Jahre in deinem Beruf tätig
  2. Du hast keinen Berufsabschluss oder arbeitest in einem Beruf, den du seit mehr als 4 Jahren nicht mehr ausgeübt hast
  3. Die Weiterbildung liegt im Interesse deines Arbeitgebers (dieser muss einen Teil beisteuern)
  4. Die Weiterbildung dient der Zukunftssicherung (z. B. Digitalisierung, Strukturwandel)
Förderziel: Zukunftssicherung, digitale Kompetenzen, Aufstiegsqualifikation, Anpassung an veränderte Arbeitsmarktanforderungen    

Wann gilt eine Weiterbildung als notwendig?

 Die Agentur für Arbeit prüft bei jedem Antrag, ob die Weiterbildung notwendig und zielführend ist.Als notwendig gilt eine Maßnahme, wenn sie: ☑️ deine berufliche Eingliederung ermöglicht oder erheblich erleichtert☑️ Eine drohende Arbeitslosigkeit abwendet☑️ Einen fehlenden Berufsabschluss nachholt☑️ dich für einen zukunftsfähigen Beruf mit Fachkräftebedarf qualifiziert☑️ deine Vermittlungschancen deutlich verbessert☑️ dem regionalen oder überregionalen Arbeitsmarktbedarf entspricht☑️ auf deinen vorhandenen Qualifikationen aufbaut (es muss ein sinnvoller Zusammenhang erkennbar sein)   

Wichtige Ausschlusskriterien

 Du erhältst in der Regel keinen Bildungsgutschein, wenn: 
  • die Weiterbildung nicht arbeitsmarktrelevant ist (z.B. reine Hobbykurse)
  • du die Weiterbildung problemlos selbst finanzieren kannst
  • es keine Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt für diese Qualifikation gibt
  • die Weiterbildung nicht auf deinen Vorkenntnissen aufbaut (zu große Qualifikationslücke)
  • du bereits mehrere abgebrochene geförderte Weiterbildungen hast
 
bildungsgutschein

Bildungsgutschein beantragen: Schritt-für-Schritt Anleitung 2025

 Der Weg zum Bildungsgutschein ist strukturiert und erfordert eine gute Vorbereitung.Mit dieser detaillierten Anleitung erhöhst du deine Bewilligungschancen erheblich.  

Schritt 1: Termin vereinbaren und optimal vorbereiten

 Was du tun musst:Kontaktiere deine zuständige Agentur für Arbeit oder dein Jobcenter: 
  • Telefonisch: Kostenlose Service-Rufnummer 0800 4 5555 00
  • Online: über dein eService-Konto auf arbeitsagentur.de
  • Persönlich: In deiner örtlichen Geschäftsstelle
  Profi-Tipp:Gib bei der Terminvereinbarung bereits an, dass du dich für eine geförderte Weiterbildung nach § 81 SGB III interessierst. So kann sich die Beraterin oder der Berater optimal auf das Gespräch vorbereiten.  Optimal vorbereiten – diese Unterlagen solltest du bereithalten: 📄 Aktueller Lebenslauf (max. 2 Seiten, lückenlos, chronologisch)📄 Alle relevanten Zeugnisse (Schule, Ausbildung, Weiterbildungen)📄 Arbeitszeugnisse der letzten Arbeitgeber📄 Konkrete Stellenanzeigen (3 bis 5 Ausdrucke/Screenshots), die deine geplante Qualifikation erfordern📄 Informationen zur Wunsch-Weiterbildung (Beschreibung, Dauer, Bildungsträger)📄 Arbeitsmarktdaten zu deinem Zielberuf (optional, aber sehr hilfreich)   

Schritt 2: Das Beratungsgespräch führen – so überzeugst du

 Im Beratungsgespräch entscheidet sich, ob du den Bildungsgutschein erhältst. Deine Aufgabe ist es, überzeugend darzulegen, warum genau diese Weiterbildung für dich und den Arbeitsmarkt sinnvoll ist.  
Diese Fragen werden dir gestellt:
 Zur aktuellen Situation: 
  • Wie ist deine aktuelle berufliche Lage? (arbeitslos, in Kurzarbeit, von Kündigung bedroht?)
  • Wie lange bist du bereits arbeitslos/arbeitssuchend?
  • Was hast du bisher unternommen, um eine Stelle zu finden?
  Zu deinen Zielen: 
  • Welche konkreten beruflichen Ziele verfolgst du?
  • Warum ist genau diese Weiterbildung die richtige für dich?
  • Welche Vorkenntnisse und Erfahrungen bringst du mit?
  • Wie passt die Weiterbildung zu deinem bisherigen beruflichen Werdegang?
  Zum Arbeitsmarkt: 
  • Wie sieht der Arbeitsmarkt in deinem Zielbereich aus?
  • Hast du bereits konkrete Stellenangebote gefunden, die du nach der Weiterbildung erfüllen könntest?
  • Warum glaubst du, dass es eine Nachfrage für diese Qualifikation gibt?
  Zur Finanzierung: 
  • Warum kannst du die Weiterbildung nicht selbst finanzieren?
  • Hast du andere Fördermöglichkeiten geprüft?
  
So antwortest du überzeugend:
 ❌ Schwache Antwort"Ich will mich irgendwie weiterbilden, damit ich wieder Arbeit finde. Vielleicht was mit Computern." ✅ Starke Antwort"Ich möchte mich zum IT-Systemadministrator weiterbilden. Ich habe 8 Jahre Erfahrung im technischen Support und beherrsche die Grundlagen in Windows- und Linux-Systemen. In meiner Region sind aktuell 47 Stellen für IT-Administratoren ausgeschrieben (zeigt Ausdrucke), und laut der Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit herrscht bundesweit ein Mangel an IT-Fachkräften. Die Weiterbildung bei [Bildungsträger] dauert 6 Monate und schließt mit einem IHK-Zertifikat ab. Ich kann mir die 8.500 € Kursgebühren nicht leisten, da ich seit 4 Monaten arbeitslos bin und keine Rücklagen habe."    

Schritt 3: Weiterbildungsangebot einholen

 Nach dem positiven Vorgespräch benötigst du ein konkretes Angebot eines AZAV-zertifizierten Bildungsträgers. Das Angebot muss enthalten: 
  • Genaue Bezeichnung der Maßnahme
  • Bildungsziel und Abschluss
  • Start- und Enddatum
  • Wöchentliche Unterrichtsstunden
  • Detaillierte Lernziele und Inhalte
  • Art der Durchführung (Präsenz, Online, Hybrid)
  • Gesamtkosten (aufgeschlüsselt)
  • AZAV-Zertifizierungsnummer des Bildungsträgers
  • Maßnahmennummer (bei zertifizierten Kursen)
 TippViele Bildungsträger haben Erfahrung mit Bildungsgutscheinen und erstellen dir das Angebot kostenlos. Oft helfen sie auch beim Ausfüllen der Formulare!    

Schritt 4: Antrag einreichen und Prüfung abwarten

 Reiche das Weiterbildungsangebot zusammen mit allen erforderlichen Unterlagen bei deiner Beraterin oder deinem Berater ein. Die Agentur für Arbeit prüft nun: ✓ Ob die persönlichen Fördervoraussetzungen erfüllt sind✓ Ob die Maßnahme arbeitsmarktlich sinnvoll ist✓ Ob die Weiterbildung auf deinen Vorkenntnissen aufbaut✓ Ob ausreichend Budget vorhanden ist✓ Ob der Bildungsträger und die Maßnahme AZAV-zertifiziert sind✓ Ob günstigere Alternativen existieren Bearbeitungszeit: In der Regel 2-4 Wochen. In dringenden Fällen kann es auch schneller gehen.    

Schritt 5: Bildungsgutschein erhalten und einlösen

 Bei positiver Entscheidung erhältst du den Bildungsgutschein schriftlich – per Post oder digital über dein eService-Konto. Der Bildungsgutschein enthält: 
  • Bildungsziel (z. B. "Weiterbildung zum/zur Fachinformatiker/in für Systemintegration")
  • Gültigkeitsdauer (in der Regel 3 Monate ab Ausstellungsdatum)
  • Regionale Gültigkeit (z.B. bundesweit oder regional begrenzt)
  • Maximale Förderdauer (z.B. bis zu 24 Monate)
  • Welche Kosten übernommen werden
  • Besondere Hinweise (z. B. zu Fahrtkosten, Unterkunft)
  So löst du den Gutschein ein: 
  1. Suche dir einen AZAV-zertifizierten Bildungsträger, der die gewünschte Weiterbildung anbietet
  2. Reiche den Bildungsgutschein beim Bildungsträger ein
  3. Der Bildungsträger prüft den Gutschein und meldet dich zur Maßnahme an
  4. Der Bildungsträger rechnet direkt mit der Agentur für Arbeit ab – du zahlst nichts!
   

💡 Insider-Tipps: So erhöhst du deine Bewilligungschancen um 80%

  
Tipp 1: Bringe konkrete Stellenanzeigen mit
 Zeige 3-5 aktuelle Stellenausschreibungen (nicht älter als 4 Wochen), für die du nach der Weiterbildung qualifiziert wärst.Mache Screenshots oder Ausdrucke mit URL und Datum!   
Tipp 2: Nutze Arbeitsmarkt-Argumente mit Zahlen
 Recherchiere vorab, wie hoch die Nachfrage in deinem Zielbereich ist: 
  • Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit (veröffentlicht halbjährlich)
  • Berufenet.arbeitsagentur.de für Arbeitsmarkttrends
  • Statistiken deiner Industrie- und Handelskammer
 Beispiel: "Laut der Fachkräfteengpassanalyse 2024 besteht in 95 % aller Regionen ein Fachkräftemangel im Bereich IT-Security. Die durchschnittliche Vakanzzeit beträgt 183 Tage."   
Tipp 3: Zeige Eigeninitiative und Motivation
 
  • Hast du bereits erste Schritte gemacht? (Kostenlose Online-Kurse auf Plattformen wie Coursera, LinkedIn Learning?)
  • Hast du Fachliteratur gelesen?
  • Warst du auf Info-Veranstaltungen von Bildungsträgern?
  • Hast du dich bereits initiativ beworben und Absagen wegen fehlender Qualifikation erhalten? (Zeige die Absagen!)
   
Tipp 4: Formuliere SMART-Ziele
 Spezifisch  – Messbar – Attraktiv – Realistisch – Terminiert ❌ Schwach"Ich will mich weiterbilden, um bessere Jobchancen zu haben."  ✅ Stark"Ich möchte bis September 2025 meine Qualifikation als Social Media Manager (IHK) abschließen, um mich auf die 23 aktuell ausgeschriebenen Stellen in meiner Region zu bewerben. Nach Abschluss erfülle ich 90% der geforderten Qualifikationen in diesen Stellenanzeigen."   
Tipp 5: Timing ist alles
 Optimale Zeitpunkte für deinen Antrag: Januar bis März: Neue Budgets sind freigegebenNach Quartalsabschlüssen: Oft werden Mittel neu verteilt⚠️ November bis Dezember: Budgets können knapp sein   
Tipp 6: Zeige Engagement und den Willen, dich weiterzubilden
 
  • Sei pünktlich zu allen Terminen
  • Bereite dich gründlich vor
  • Habe echtes Interesse und Engagement
  • Halte Vereinbarungen ein (z. B. Bewerbungsnachweise)
  • Kommuniziere respektvoll und wertschätzend
   
Tipp 7: Kenne deinen Wert für den Arbeitsmarkt
 Argumentiere nicht nur mit deinem persönlichen Wunsch, sondern mit dem volkswirtschaftlichen Nutzen: Beispiel-Argumentation"Durch die Weiterbildung zum Pflegefachhelfer kann ich zur Linderung des Pflegenotstands beitragen. Laut Bertelsmann-Studie fehlen bis 2030 bundesweit 500.000 Pflegekräfte. Meine schnelle Integration in den Arbeitsmarkt reduziert nicht nur meine Arbeitslosigkeit, sondern trägt zur Versorgungssicherheit bei."   

Was übernimmt der Bildungsgutschein? Alle Leistungen im Detail

 Der Bildungsgutschein ist mehr als nur die Übernahme der Kursgebühren.Die Förderung ist umfassend und deckt alle wesentlichen Kosten ab, die im Zusammenhang mit deiner Weiterbildung entstehen.  

Vollständig übernommene Kosten

 
Lehrgangsgebühren
 
  • 100 % der Kurskosten
  • Direkte Abrechnung zwischen Bildungsträger und Agentur für Arbeit – du zahlst nichts!
  
Lernmaterialien
 
  • Bücher, Skripte, Software, digitale Medien, Arbeitshefte
  • Muss im Angebot des Bildungsträgers enthalten sein
  
Prüfungsgebühren
 
  • Kosten für Abschlussprüfungen, Zertifizierungen, externe Prüfungen
  • Bei externen Prüfungen (z. B. IHK, TÜV) gesonderte Absprache nötig
  
Fahrtkosten
 
  • Pendelkosten zur Bildungseinrichtung
  • Pauschale von 0,20 € pro km (einfache Strecke), ab 3 km Entfernung
  
Unterkunft
 
  • Bei auswärtiger Unterbringung notwendig
  • Pauschalen für Übernachtung (bis zu ca. 60 € pro Nacht)
  
Verpflegung
 
  • Verpflegungsmehraufwand bei Abwesenheit
  • Pauschalen: 14 € (Abwesenheit >8h), 28 € (24h)
  
Kinderbetreuung
 
  • Kosten für notwendige Betreuung während der Maßnahme
  • Auf Antrag, wenn keine andere Betreuungsmöglichkeit besteht (bis 160 €/Monat pro Kind)
   

Was passiert mit deinem Lebensunterhalt während der Weiterbildung?

 Wichtig zu wissenDer Bildungsgutschein deckt NICHT deinen Lebensunterhalt. Du erhältst aber weiterhin deine bisherigen Leistungen: ✅ Bei Arbeitslosengeld I (ALG I):
  • Weiterzahlung in voller Höhe während der gesamten Weiterbildung
  • Deine Anspruchsdauer wird NICHT verkürzt (die Zeit zählt nicht mit!)
  • Du bleibst kranken-, pflege-, renten- und unfallversichert
 ✅ Bei Bürgergeld (früher ALG II):
  • Weiterzahlung der Regelleistung
  • Kosten der Unterkunft werden weiter übernommen
  • Du behältst deinen Anspruch auf Mehrbedarfe
 ✅ Für Beschäftigte im Qualifizierungschancengesetz:
  • Weiterhin Gehalt vom Arbeitgeber
  • Ggf. Aufstockung durch Agentur für Arbeit bei Freistellung
    

Zusätzliche finanzielle Anreize zur Weiterbildung

 Über den Bildungsgutschein hinaus gibt es weitere finanzielle Unterstützung: 

Weiterbildungsgeld

 
  • 150 € monatlich für abschlussbezogene Weiterbildungen (z.B. zum/zur Fachinformatiker/in, Industriemeister/in)
  • Wird zusätzlich zum Arbeitslosengeld/Bürgergeld gezahlt
  • Voraussetzung: Die Weiterbildung führt zu einem anerkannten Berufsabschluss
  • Ausgezahlt während der gesamten Maßnahme
  

Weiterbildungsprämie (Erfolgsprämie)

 
  • 1.000 € bei Bestehen von Zwischenprüfungen
  • 1.500 € bei erfolgreichem Abschluss der Weiterbildung
  • Einmalige Zahlung als Anreiz und Anerkennung
   

Bildungsgutschein abgelehnt? Das kannst du jetzt tun

Eine Ablehnung ist kein endgültiges "Nein"!Es gibt verschiedene bewährte Strategien, wie du doch noch zu deiner Förderung kommst.  
Häufige Ablehnungsgründe und Lösungen
 1. Fehlender Arbeitsmarktbezug Lösung: Recherchiere vorab die Nachfrage intensiv. Bringe mindestens 5 konkrete Stellenanzeigen mit. Nutze die Fachkräfteengpassanalyse und Berufenet der Bundesagentur für Arbeit. Zeige regionale UND überregionale Chancen auf.   2. Unklare Zielsetzung Lösung: Formuliere ein glasklares SMART-Ziel. Nicht "will mich weiterbilden", sondern "will als [konkreter Jobtitel] bei [Unternehmen/Branche] arbeiten und brauche dafür die Qualifikation [XY]". Erstelle einen konkreten Karriereplan.   3. Zu teure Maßnahme Lösung: Suche nach günstigeren Alternativen oder teile die Weiterbildung in Module auf. Frage proaktiv nach dem verfügbaren Budget. Zeige, dass du verschiedene Anbieter verglichen hast.   4. Fehlende Vorkenntnisse Lösung: Absolviere zunächst vorbereitende Kurse (ggf. selbstfinanziert oder kostenlos online auf Plattformen wie Khan Academy, Coursera). Baue eine "Qualifikationsleiter" auf: erst Grundkurs, dann Aufbaukurs.   5. Budget erschöpft Lösung: Stelle den Antrag zu Jahresbeginn erneut (Januar/Februar). Frage nach, wann neue Mittel zur Verfügung stehen. Ggf. regional flexibel sein (andere Agentur-Bezirke haben evtl. noch Budget).   6. Zu viele Abbrüche in der Vergangenheit Lösung: Erkläre nachvollziehbar, warum frühere Maßnahmen abgebrochen wurden. Zeige, was sich geändert hat (z. B. gelöste Kinderbetreuung, gesundheitliche Stabilität). Vielleicht erst kürzere Maßnahme (3 Monate) als "Bewährungsprobe".   7. Keine Notwendigkeit erkennbar Lösung: Weise konkret nach, WARUM ohne Weiterbildung keine Integration möglich ist. Zeige Absagen von Arbeitgebern, die fehlende Qualifikation bemängeln. Erkläre, warum deine bisherige Qualifikation nicht ausreicht.   

Alternative Fördermöglichkeiten zum Bildungsgutschein

 

1. Qualifizierungschancengesetz (QCG)

 Für: BeschäftigteFörderung: Bis zu 100 % Weiterbildungskosten + LohnfortzahlungInfo: arbeitsagentur.de/unternehmen/finanziell/foerderung-von-weiterbildung   

2. Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS)

 Für: ArbeitsloseFörderung: Coaching, Bewerbungsunterstützung, Vermittlung   

3. Bildungsscheck (Länder-abhängig)

 Für: Beschäftigte, BerufsrückkehrerFörderung: Bis zu 50 % der Kosten (max. 500-3.000 €)Verfügbar in: NRW, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Hessen, RLP   

4. Aufstiegs-BAföG

 Für: Fortbildungsabschlüsse (Meister, Fachwirt, Techniker)Förderung: 50 % Zuschuss + günstiges DarlehenInfo: https://www.aufstiegs-bafoeg.de   

5. Bildungsurlaub

 Für: Arbeitnehmer (außer Bayern, Sachsen)Förderung: 5-10 Tage bezahlte Freistellung/Jahr   

6. Berufsförderungsdienst (BFD)

 Für: SoldatenFörderung: Individuelle Unterstützung für den Übergang ins Zivilleben   

7. Deutsche Rentenversicherung

 Für: Personen mit gesundheitsbedingtem BerufswechselFörderung: komplette Umschulung + ÜbergangsgeldInfo: https://www.deutsche-rentenversicherung.de   

8. Begabtenförderung

 Für: Junge Fachkräfte unter 25 mit sehr gutem AbschlussFörderung: Bis zu 8.700 € über 3 JahreInfo: https://www.sbb-stipendien.de   

9. Weiterbildungsstipendium

 Für: Berufstätige unter 25Förderung: Bis zu 8.100 € über 3 Jahre   

10. Steuerliche Absetzbarkeit

 Für: Alle SteuerzahlerFörderung: Werbungskosten/Sonderausgaben in Steuererklärung    

Die 15 wichtigsten Fragen zum Bildungsgutschein (FAQ)

 

1. Was ist ein Bildungsgutschein?

 Eine schriftliche Zusage der Agentur für Arbeit, dass die Kosten für eine berufliche Weiterbildung vollständig vom Staat übernommen werden. Es ist KEIN Darlehen – du musst nichts zurückzahlen.   

2. Wer kann einen Bildungsgutschein beantragen?

 
  • Arbeitslose
  • Von Arbeitslosigkeit Bedrohte (Kurzarbeit, befristeter Vertrag)
  • Berufsrückkehrer
  • Beschäftigte (im Rahmen des Qualifizierungschancengesetzes)
 Voraussetzung: Meist 3 Jahre Berufserfahrung oder abgeschlossene Ausbildung   

3. Gibt es einen Rechtsanspruch?

 Nein. Der Bildungsgutschein ist eine Ermessensleistung. Die Agentur für Arbeit prüft jeden Fall individuell.   

4. Was übernimmt der Bildungsgutschein?

 
  • 100 % Lehrgangskosten
  • Lernmaterialien
  • Prüfungsgebühren
  • Fahrtkosten
  • Kinderbetreuung (bis 160 €/Monat)
  • Unterkunft + Verpflegung (bei Bedarf)
   

5. Wie lange ist ein Bildungsgutschein gültig?

 In der Regel 3 Monate ab Ausstellungsdatum. Innerhalb dieser Frist muss die Weiterbildung beginnen.   

6. Kann ich Online-Weiterbildungen nutzen?

 Ja! Online-Kurse werden genauso gefördert wie Präsenz-Unterricht – vorausgesetzt, der Bildungsträger ist AZAV-zertifiziert.   

7. Bekomme ich während der Weiterbildung Geld?

 Ja! Du erhältst weiterhin: 
  • Arbeitslosengeld I (volle Höhe, Anspruchsdauer wird NICHT verkürzt)
  • Bürgergeld inkl. Kosten der Unterkunft
  • Zusätzlich: 150 € Weiterbildungsgeld/Monat (bei abschlussbezogenen Weiterbildungen)
   

8. Kann ich mehrmals einen Bildungsgutschein bekommen?

 Ja, es gibt keine Höchstanzahl. Jeder Antrag wird individuell geprüft. Du musst begründen, warum eine weitere Qualifizierung notwendig ist.   

9. Was passiert bei Abbruch?

 Mit wichtigem Grund (Krankheit, Jobangebot): keine Sanktionen Ohne wichtigen Grund: 
  • Mögliche Sperrzeit (bis 12 Wochen)
  • Schwierigkeiten bei erneutem Antrag
  • Evtl. Rückforderung
 Wichtig:IMMER erst mit der Agentur für Arbeit sprechen!   

10. Kann ich Teilzeit lernen?

 Ja! Weiterbildungen gibt es in: 
  • Vollzeit (35-40 Std./Woche)
  • Teilzeit (15-30 Std./Woche)
  • Berufsbegleitend
   

11. Muss ich den Bildungsgutschein zurückzahlen?

 Nein, niemals! Es ist eine staatliche Förderung, kein Kredit. Keine Rückzahlung – auch nicht bei fehlendem Jobfund.   

12. Freie Wahl des Bildungsträgers?

 Ja, aber: ✅ Muss AZAV-zertifiziert sein✅ Bei bundesweiter Gültigkeit: freie Auswahl⚠️ Bei regionaler Einschränkung: nur genannte Region   

13. Job während der Weiterbildung gefunden?

 Super! Keine Sanktionen, da Ziel erreicht. Du kannst: 
  • Weiterbildung berufsbegleitend fortsetzen
  • oder abbrechen (keine Nachteile)
   

14. Welche Weiterbildungen werden NICHT gefördert?

 
  • Hobbykurse ohne Berufsbezug
  • Führerschein Klasse B (nur Ausnahmen)
  • Studium an staatlichen Unis (→ BAföG)
  • Nicht AZAV-zertifizierte Angebote
   

15. Wie lange dauert die Bearbeitung?

 In der Regel 2-4 Wochen ab Einreichung aller Unterlagen.Schneller bei: 
  • Dringlichkeit
  • vollständigen Unterlagen
  • guter Vorbereitung
    

Fazit: Deine Chance auf beruflichen Neustart

 Der Bildungsgutschein ist eine der wertvollsten Förderungen in Deutschland: ✅ 100 % Kostenübernahme ohne Rückzahlung✅ Lebensunterhalt gesichert✅ Zusätzliche Prämien möglich✅ Keine finanziellen Risiken  

Die 5 Erfolgsfaktoren:

 
  1. Gründliche Vorbereitung (Arbeitsmarktdaten, Stellenanzeigen)
  2. Überzeugende Argumentation (SMART-Ziele, volkswirtschaftlicher Nutzen)
  3. Passende Weiterbildung (AZAV-zertifiziert, anerkannter Abschluss)
  4. Durchhaltevermögen (bei Ablehnung: Widerspruch oder Neuantrag)
  5. Motivation (Weiterbildung erfolgreich abschließen!)
  

Deine nächsten Schritte:

 ☑️ Heute: Termin bei der Agentur für Arbeit vereinbaren☑️ Diese Woche: Stellenanzeigen recherchieren☑️ Nächste Woche: Weiterbildungsangebote einholen☑️ In 2-4 Wochen: Beratungsgespräch führen☑️ In 4-6 Wochen: Weiterbildung starten! 
Author: Sascha BögeArtikel veröffentlicht am: 08.01.2026